Vielleicht war es bezeichnend, dass
Spielertrainer Anton Sefkow sich im Vorfeld des Spiels gegen den SC Dhfk
Leipzig eine Schnittwunde am Finger zugezogen hatte. Zweiter gegen Fünfter
eigentlich leicht verdiente Punkte, doch da hatten sich die Hamburger
geschnitten. Nach 70 atemberaubenden Minuten trennten sich beide Mannschaften
mit einem 5:5
Die Vorzeichen der Partie standen denkbar ungünstig, neben
den Ausfällen von Hobje, Neumann, Herrmann, Kraus, Kappel fehlte auch Toni
Westerholm, dessen Auslandsemester in
der Hansestadt vor wenigen Tagen endete. Dafür feierte Tobias Korting nach
mehrjähriger Pause sein Comeback für den ETV.
Schon zu Beginn des Spiels war es dem Hamburger Spiel
anzusehen, dass die sonstige Sicherheit fehlte. Nach teilweise haarsträubenden
Abspielfehlern und mangelnder Durchschlagskraft konnte man von Glück reden,
dass die ebenfalls dezimierten Leipziger nur einen Treffer landen konnten.
Gegen Ende des Drittels gelang es sogar der unverdiente Ausgleich.
Münster spielte Sefkow auf außen frei der direkt abzog und
den Leipziger Keeper überwinden konnte. Eben jener Sefkow war trotz
Schnittwunde und Rippenprellung besonders gut aufgelegt möglicherweise ein
weiteres Indiz den folgenden Tanz auf der Klinge. Das zweite Drittel verlief ähnlich,
mangelnde Konzentration und
Abspielfehler brachten den Gegner immer wieder ins Spiel, die Leipziger
zogen auf 1:3 davon. Zum Glück gelang es den ETVlern alte Tugenden
wiederzuentdecken und sich zurück in die Partie zu kämpfen. Den Beweis lieferte
Tobias Münster als er, von Korting geschickt, die linke Außenbahn herunter zog
und den Ball halbhoch im kurzen Eck versenkte, eine pure Willensleistung. Nun
waren die Hamburger im Spiel. Nur zwei Minuten nach der 2. Pause war es Grass
der nach schönem Querpass von Sefkow den Ball ins leere Tor hämmerte.
Die Chancen häuften sich und die Mannschaft fand zu ihrer
spielerischen Linie zurück. In Minute 8 gingen die Hamburger schließlich
erstmals mit 4:3 in Führung. Stüble hatte nach Vorlage von Wlocka aus Spitzem
Winkel getroffen. Diese wurde einige Minuten später sogar noch erhöht. Sefkow
spielte auf Linusson der sich an der Bande gegen einen Leipziger durchsetzte
vor das Tor zog und den Ball unter dem gegnerischen Torwart durch steckte, sein
erstes Tor für den ETV. Das Spiel hatte sich gewendet. Die kämpferischen
Hamburger ließen die Leipziger nicht zur Entfaltung kommen und wollten die
Führung noch erhöhen. Vielleicht ein wenig zu offensiv gedacht, denn die
Leipziger kamen wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer und läuteten so eine
der spannendsten Schlussphasen ein die
das Hamburger Publikum je gesehen hatte. In Minute 17:52 musste ein
Leipziger wegen blockieren des Stocks auf die Strafbank. Eine ein Tor Führung
und 2 Minuten in Überzahl sollten eigentlich reichen um die 3 Punkte nach Hause
zu bringen. Es kam anders, die Abstimmung in der neu zusammengewürfelten
Überzahlformation stimmte merklich nicht. So gelang es den Leipzigern
tatsächlich in Unterzahl Druck auf den ballführenden Spieler auszuüben. Nach
einem langen Pass aus der Defensive
tauchte in Minute 18:36 ein Leipziger frei vor Torhüter Dietz auf. Stüble
probierte von hinten an den Ball zu kommen, was ihm nicht gelang, es folgte ein
Pfiff. Zum Entsetzen der Zuschauer zeigten die Schiedsrichter eine 2 Minuten
Strafe mit Penalty an. Die Luft knisterte förmlich. Palitzsch scheiterte am
wiederholt gut aufgelegten Mike Dietz im Hamburger Tor, grenzenloser Jubel auf
Hamburger Seite, der Sieg schien zum greifen nah. Nun hieß es 90 Sekunden vier
gegen vier zu überstehen. Doch das unfassbare trat ein 40 Sekunden vor Schluss,
nach Querpass brauchte der vorhin gescheiterte Palitzsch den Ball nur noch ins
leere Tor zu legen. Jubel auf der einen, Resignation auf Hamburger Seite. Die
Folgende Overtime brachte nichts Erwähnenswertes hervor. So trennten sich der
ETV und SC Dhfk Leipzig nach einer dramatischen Schlussphase mit 5:5. Für die
Hamburger zu wenig um den zweiten Platz zu behaupten, für Leipzig zu wenig um
den 4. Platz zu erobern.
Nächste Woche folgt das nächste Endspiel in
Wernigerode. Es bleibt zu hoffen, dass die mentalen Wunden so schnell verheilen,
wie die an Sefkows Finger (LS)
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